Montag, 19. Dezember 2011 - 14:39 Uhr, Alter: 65 Tag(e)

Mittelstand zeigt sich nervenstark

 

KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: leichte Verbesserung des Geschäftsklimas

Trotz schwächerer Weltkonjunktur und Eurokrise behält der Mittelstand bislang die Nerven, wie die November-Ergebnisse aus dem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigen. Die seit dem Frühjahr zu beobachtende und sich seit der Zuspitzung der Eurokrise im Sommer beschleunigende Talfahrt der Geschäftserwartungen hat sich im November nicht fortgesetzt, im Gegenteil: Erstmals seit dem vergangenen Februar haben sich die Erwartungen wieder etwas verbessert.

Gegenüber Oktober zogen sie um 2,4 Zähler an, blieben mit 2,7 Saldenpunkten aber unter ihrem langfristigen Durchschnittswert, der konzeptionell mit der Nulllinie identisch ist. Demgegenüber gaben die Urteile zur aktuellen Geschäftslage auf ihrem im historischen Vergleich noch immer sehr hohen Niveau etwas nach (0,6 Zähler auf 29,9 Saldenpunkte).
Da der Rückgang der Lageurteile deutlich geringer ausfiel als der Anstieg der Geschäftserwartungen, konnte sich das mittelständische Geschäftsklima insgesamt leicht, nämlich um 1,0 Zähler auf 13,4 Saldenpunkte verbessern. Die Stimmungsaufhellung bei den kleinen und mittleren Unternehmen war damit ausschlaggebend für die am 24. November vom ifo Institut gemeldete stabile Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen ifo-Geschäftsklimaindex. Denn im Unterschied zu den Mittelständlern setzte sich der Klimarückgang bei den Großunternehmen im November fort, wenn auch in mäßigem Tempo. Zwar beurteilten die großen Firmen ihre aktuellen Geschäfte etwas besser als im Monat davor; dieser geringfügige Zuwachs reichte aber nicht aus, um die weitere Eintrübung der Geschäftserwartungen zu kompensieren.


Erwartungen deutlich hinter Lageeinschätzungen
Im Ergebnis ist nicht nur das Geschäftsklimaniveau bei den Großunternehmen inzwischen deutlich niedriger als im Mittelstand. Auch sind die Erwartungen der großen Firmen damit so stark hinter die Lageurteile zurückgefallen wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Januar 1991. Die enorme Lücke zulasten der Erwartungen lässt für die kommenden Monate kräftige Abwärtskorrekturen bei der Geschäftslageeinschätzung der Großunternehmen erwarten. Da es vor allem die international stark verflochtenen großen Firmen sind, welche die Abschwächung der Auslandsnachfrage als erste und am kräftigsten spüren, spricht diese Entwicklung dafür, dass der konjunkturelle Abschwung bislang überwiegend auf externe, also globale und europäische Belastungsfaktoren zurückzuführen ist, während die Binnenkräfte konjunkturstützend wirken. Untermauert wird diese Einschätzung noch dadurch, dass die Klimaverschlechterung bei den Großunternehmen im November ausschließlich von der exportstarken Industrie ausging. Die Pläne der Firmen zum Auf- oder Abbau neuer Arbeitsplätze waren im Mittelstand stabil und bei den Großunternehmen sogar etwas aufwärts gerichtet.

In beiden Fällen notieren sie weiter klar im expansiven Bereich. Die jüngsten Ergebnisse des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers haben im gegenwärtigen Umfeld ohne Zweifel positiv überrascht. Nicht nur wichtige deutsche Absatzmärkte wie Italien und Spanien sind im November zunehmend unter Beschuss geraten, erstmals waren sogar deutsche Bonds von einer partiellen Kaufzurückhaltung betroffen. Damit aus dem ersten Stabilisierungsansatz beim mittelständischen Geschäftsklima aber ein echter Hoffnungsschimmer wird, müssten sich die Erwartungen in den kommenden Monaten deutlich aufhellen.

Quelle: www.kfw.de, aus Rundschreiben BDL Dezember 2011